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Virologie

Direktor:
Prof. Dr. med. Klaus Überla
Uni-Klinikum, Virologie, Forschungsstiftung Medizin

Neue Therapiestrategien gegen das Cytomegalovirus

Stiftungen fördern jungen Erlanger Wissenschaftler mit 45.000 Euro

„So eine Anschubfinanzierung ist Gold wert“, brachte es Prof. Dr. Manfred Marschall auf den Punkt. Dem Forschungsgruppenleiter im Virologischen Institut – Klinische und Molekulare Virologie (Direktor: Prof. Dr. Klaus Überla) des Universitätsklinikums Erlangen ist es gemeinsam mit seinem studentischen Mitarbeiter Martin Schütz gelungen, gleich zwei Stiftungen von seinem Forschungsvorhaben zu überzeugen. Das Projekt „Identifizierung neuer viraler Zielproteine, Wirkstoffe und Mechanismen“ erhielt jetzt von der Manfred-Roth-Stiftung eine Förderzusage in Höhe von 33.000 Euro. Im Rahmen ihres Matching-Funds-Programms erhöht die Forschungsstiftung Medizin am Universitätsklinikum Erlangen die Summe sogar auf insgesamt 45.000 Euro.
Von links nach rechts: Dr. Wilhelm Polster (Vorstand/Manfred-Roth-Stiftung), Prof. Dr. Werner G. Daniel (Vorstand/Forschungsstiftung Medizin am Uni-Klinikum Erlangen), Prof. Dr. Klaus Überla (Direktor/Virologie), Prof. Dr. Manfred Marschall (Forschungsgruppenleiter/Virologie), Martin Schütz (Promovend/Virologie) und Klaus J. Teichmann (Stiftungsrat/Manfred-Roth-Stiftung). Foto: Barbara Mestel/Uni-Klinikum Erlangen

Für Prof. Marschall, der schon seit 20 Jahren an antiviralen Wirkstoffen forscht, bietet die großzügige Spende die Möglichkeit, einen neuen Ansatz weiterzuverfolgen – für Martin Schütz ist es eine einzigartige Chance. Denn nun kann er seine bisherige Tätigkeit als Masterstudent in der Arbeitsgruppe von Prof. Marschall als Promovend fortführen und vertiefen. „Das ist eine wunderbare Unterstützung, ich bin hoch motiviert und hoffe auf gute Ergebnisse“, bedankte er sich im Rahmen der offiziellen Scheckübergabe bei den Vertretern der beiden Stiftungen.

Bisher ungelöstes Problem: Virus wird resistent gegen Medikamente

Ziel des Forschungsvorhabens ist es, entscheidende Erkenntnisse zu gewinnen, die zur Entwicklung von neuen Medikamenten gegen das Cytomegalovirus führen sollen. In Deutschland sind derzeit rund 50 Prozent aller Erwachsenen mit diesem Herpesvirus infiziert – ein großes Risiko vor allem für schwangere Frauen und ihre ungeborenen Kinder. Denn das Cytomegalovirus führt jährlich bundesweit bei bis zu 1.000 Neugeborenen zu Symptomen, einschließlich Totgeburten bzw. späterer Taubheit sowie anderen schweren Entwicklungsdefekten. Auch für die große Zahl der Menschen, die eine Organ- oder eine Stammzelltransplantation erhalten haben bzw. im Rahmen einer Tumorbehandlung Chemotherapie bekommen, stellt dieses Herpesvirus eine große Gefahr dar. Die aktuell zur Verfügung stehenden Therapiemöglichkeiten sind aufgrund von Verträglichkeits- und/oder Resistenzproblemen unzureichend, sodass die Entwicklung von neuen Medikamenten gegen das Cytomegalovirus einen sehr hohen Stellenwert besitzt.

Die Arbeitsgruppe von Prof. Marschall sucht u. a. nach neuen Wirkmechanismen, gegen die das Virus nicht resistent werden kann. Der neue Ansatz, den Martin Schütz nun vertiefen wird, besteht in der Weiterentwicklung wirtsgerichteter Inhibitoren, also Substanzen, die sich gegen Wirtsproteine richten, die für die Vermehrung des Cytomegalovirus in der infizierten Zelle wichtig sind, und es somit unschädlich machen. Prof. Marschall und sein Team konnten bereits eine passende Substanzklasse identifizieren: die Pyrrolopyridine, die eine ausgeprägte antivirale Aktivität aufweisen. Sofern Martin Schütz nachweisen kann, dass sich diese Inhibitoren gegen Zellproteine richten und somit frei von Resistenzbildung sind, ist dies die ideale Basis, um neue Medikamente zu entwickeln.

Im Rahmen des Projekts soll aber auch der umgekehrte Weg beschritten werden: Martin Schütz wird versuchen, inhibitorische Wirkstoffe zu finden, die sich gegen bereits definierte zelluläre Zielproteine des Cytomegalovirus richten. Bisherige Untersuchungen der Erlanger Wissenschaftler zeigen, dass bestimmte Faktoren aus der Zellzyklus-Regulation, nämlich humane Cyline, eine Wechselwirkung mit einem viralen Enzym eingehen und dadurch möglicherweise einen besonders empfindlichen Ansatzpunkt für neue antivirale Inhibitoren darstellen.

Manfred-Roth-Stiftung

Die gemeinnützige Manfred-Roth-Stiftung fördert neben sozialen, kulturellen, und bildungsfördernden Projekten auch die wissenschaftliche Arbeit in Forschung und Medizin. Die nach dem 2010 verstorbenen Fürther Unternehmer und Gründer der Handelskette Norma benannte Stiftung folgt damit den Vorgaben Manfred Roths, der schon zu Lebzeiten Projekte für das Gemeinwohl großzügig unterstützte. Bisher hat die Manfred-Roth-Stiftung am Uni-Klinikum Erlangen bereits 23 Projekte mit insgesamt über 780.000 Euro gefördert.

Forschungsstiftung Medizin am Uni-Klinikum Erlangen

Die Forschungsstiftung Medizin am Uni-Klinikum Erlangen fördert die medizinische Forschung, die Aus- und Weiterbildung von Studenten, Ärzten und Wissenschaftlern sowie Belange des öffentlichen Gesundheitswesens und Projekte der Mildtätigkeit. Seit ihrer Gründung im Jahr 2007 hat die Forschungsstiftung Medizin schon zahlreiche wissenschaftliche Einzelprojekte aus unterschiedlichen Fachbereichen des Uni-Klinikums Erlangen mit insgesamt über fünf Millionen Euro unterstützt.

Weitere Informationen:

Prof. Dr. Manfred Marschall
Telefon: 09131 85-26089
E-Mail: manfred.marschallatfau.de

 

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